Leuchtet eine Leuchtstofflampe unter einer Hochspannungsleitung?

Es ist ein schwaches Leuchten, weit geringer als jenes im normalen Betrieb. Und doch ist es beeindruckend. Die Überschriften in einer Zeitung die man nahe an die Röhre hält kann man gut lesen. Ein wenig flackert das Licht.
Das Prinzip der Leuchtstofflampe ist, dass das Gas im Inneren elektrisch angeregt wird und beim laufend vorkommenden Abbau der Anregung nicht sichtbares Licht aussendet, das an der Leuchtschicht in sichtbares Licht umgewandelt wird. Das elektrische Feld unter einer Hochspannungsleitung ist für eine schwach ausgeprägte Anregung ausreichend, ebenso wie die elektrischen Felder die entstehen, wenn wir Gegenstände durch Reibung aufladen.

Reibungselektrizität ist seit mehreren tausend Jahren bekannt. Bereits die Griechen beobachteten, dass beim Reiben eines Tierfells an Bernstein (getrocknetes Harz, das sie “Elektron” nannten) Elektrizität auftritt. Werden Stoffe aneinander gerieben, so kann es unter geeigneten Bedingungen zum Übergang von Elektronen von einem Material zum anderen kommen. Beide Körper (jener der Elektronen aufgenommen hat, ebenso wie der Zweite, der diese abgegeben hat) werden als geladen bezeichnet. In der Umgebung geladener Körper (=Ansammlung von Ladung) ergibt sich ein elektrisches Feld, das wir an den Haaren sehen und spüren können, bei Entladung zwischen einem Pullover und den Kopfhaaren knistern hören und dabei im Dunkeln sogar kleine Blitze sehen können. Auch den Trick mit Luftballons, die an der Decke haften, erreichen wir indem wir Ballone durch Reiben z.B. an den Kopfhaaren aufladen. Nach ähnlichen Prinzipien wurden im 19. Jahrhundert Elektrisiermaschinen gebaut, die hohe Spannungen erzeugen konnten, jedoch kaum Leistung boten und daher zur Energieversorgung ungeeignet waren. Erst mit der Erfindung der Generatoren, die auf dem Faraday’schen Induktionsprinzip aufbauen, wurde eine Quelle für intensive Nutzung der elektrischen Energie gefunden. Auch moderne Generatoren arbeiten nach genau diesem Prinzip. Die Spannung, die an den Klemmen von Generatoren auftritt, liegt je nach Leistung und Größe des Generators zwischen 230 V und mehreren tausend Volt. Transformatoren übertragen die Generatorleistung in höhere Spannungsebenen (110, 220, 380 kV), sodass die Übertragung durch Hochspannungsleitungen mit geringen Verlusten über weite Strecken möglich wird. Unter 110-kV-Leitungen ergeben sich elektrische Felder bis zu 3 kV/m (Kilovolt pro Meter). Alle Körper die leitfähig sind – Pflanzen, Gebäude aber auch unser Körper – beeinflussen das elektrische Feld. Gebäude schirmen äußere elektrische Felder zu 99 % ab. Elektrische Felder gibt es aber nicht nur bei Hochspannungsleitungen. Im Nahbereich (10-20 cm) von Elektroinstallationen, Steckdosen und elektrischen Geräten erreicht die Feldstärke typisch 0,15 kV/m. Aber auch zwischen den Polen einer Flachbatterie treten lokal 0,5-1 kV/m auf.

Magnetische Felder, die öfter im Zusammenhang mit biologischen und gesundheitlichen Auswirkungen diskutiert werden als die elektrischen Felder, spielen bei diesem Leuchteffekt keine Rolle.

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