„Die Bevölkerung hat wenig gefühlten Bedarf für unsere Arbeit.“

„Die Bevölkerung hat wenig gefühlten Bedarf für unsere Arbeit.“

Wolfgang Angerer, Gruppenleiter Leitungen über Akzeptanz der Bevölkerung, Visionen und das Wörtchen Frontalkonsens

Wolfgang Angerer bittet zum Interview in sein Büro, das er sich mit einem seiner Mitarbeiter teilt. „Wir pflegen einen sehr freundschaftlichen Umgang im Team“ – das ist einer der ersten Sätze, die er sagt. Angerer ist Gruppenleiter Leitungen in der Netz Oberösterreich GmbH (ehemals Energie AG Oberösterreich Netz GmbH) und führt das Team Statik/Standardisierung, das Team Rechtsangelegenheiten und 4 Techniker, die direkt an ihn berichten. Er ist verantwortlich für das gesamte Hochspannungsnetz, also das 110-kV-Netz im Netzgebiet der Energie AG Oberösterreich. Für das Mittel- und Niederspannungsnetz ist er mit seinem Team interner Dienstleister und arbeitet auf Auftrag. Mittelspannung ist das 30-kV bzw. 10-kV-Netz, Niederspannung ist jene Spannung, die aus der Steckdose kommt, also 230 oder 400 Volt.

Seine Vision: “Ich möchte bei den Menschen für eine höhere Akzeptanz für unsere Arbeit sorgen.”

„Für unsere Projekte gibt es keinen gefühlten Bedarf. Solange der Strom aus der Steckdose kommt – und das ist ja unsere Kernaufgabe, dass das reibungslos passiert – solange sind die Menschen zufrieden“, erklärt Angerer. „Damit alles funktioniert, gehen wir immer in Vorleistung.“ Und weil das Team einen guten Job macht, funktioniert auch meistens alles. Das ist gleichzeitig eine Hürde, wenn es gilt, der Bevölkerung neue Projekte vorzustellen. Jeder braucht Strom, doch niemand möchte eine Stromleitung in der Nähe haben. „Das ist bei uns paradox: Am Vormittag bemühen wir uns in der gesamten Firma, dass es zu keinen Ausfällen kommt. Alle haben, was sie brauchen. Am Nachmittag gehen wir dann hinaus zu den Leuten und sagen ihnen, dass es neue Leitungen benötigt“, erklärt Angerer den dauernden Zwiespalt.

„Wir suchen immer den Frontalkonsens. Das heißt für mich, wir bemühen uns in alle Richtungen auf Wünsche und Anregungen einzugehen“

so Angerer. „Die Menschen wünschen sich oft, dass wir die Leitungen unsichtbar machen. Das gelingt uns gerade über Land nicht, da brauchen wir Freileitungen. Aber wir bieten immer eine Palette an Begleitmaßnahmen an.“

Angerer ist seit 1995 bei der Energie AG. Seine Karriere hat er als Bauleiter gestartet, wurde dann Teamleiter und 2006 schließlich Gruppenleiter. Zwei Dinge waren konstant über die Jahre: die Hochspannung und das Team, mit dem er arbeitet. „Viele von uns sind schon lange dabei. Wir ziehen hier alle an einem Strang und denken nicht in Hierarchien. Ich glaube, das ist mit ein Grund, warum wir alle motiviert sind.“ Angerer ist ein studierter Elektrotechniker mit einem Abschluss der TU Wien, einem MBA und einem MSc im Bereich Innovationsmanagement.

Einen typischen Tagesablauf gibt es nicht. „Das ist das Nette an dem Job. Ich mache das Geschäft schon so lange und trotzdem oder gerade deswegen macht‘s mir noch immer großen Spaß“, so Angerer. Ob er in Brüssel Vorschriften mitverhandelt oder mit Grundeigentümern oder Politikern vor Ort unterwegs ist – die Tage sind sehr abwechslungsreich. „Ich würde sagen, ich bin etwa die Hälfte meiner Arbeitszeit im Büro und die andere Hälfte draußen, im direkten Kontakt mit Behörden, Bürgermeistern oder Gemeindefunktionären, Firmen, Grundbesitzern und so weiter.“ Richtig Spaß macht es ihm, wenn er zum Beispiel mit Kindergarten- oder Schulkindern unterwegs ist und ihnen ein Kraftwerk zeigen kann.

„Das ist meine Investition in die Zukunft. Vielleicht ist das Verständnis für unsere Arbeit in 15 Jahren höher.“

Wie stellen Sie sich den Bereich in 10 Jahren vor, haben wir gefragt. Angerer überlegt kurz und sagt dann überzeugt: „Ganz ähnlich wie jetzt. Das was wir machen ist extrem nachhaltig. Unsere Anlagen haben einen Lebenszyklus von bis zu 80 Jahren. Auch wenn ich 10 Jahre zurückdenke, hat sich an den Aufgaben und Rahmenbedingungen nichts Gravierendes verändert. Die Art zu arbeiten hat sich natürlich verändert. Wir sind auch oft ganz vorne bei Entwicklungen dabei – zum Beispiel verwenden wir schon seit einiger Zeit einen neuen Leiterseiltyp, da waren wir in Europa die Ersten.“

 

Wolfgang Angerer im Word-Rap

Energie ist für mich… unverzichtbar
Ich stehe unter Strom, wenn… in den Medien falsch berichtet wird und wir gefühlt ungerecht behandelt werden
Zum Lachen bringt mich… schnell mal was
Mich fasziniert…Hochspannung
Als Kind wollte ich… Bundespräsident, Formel-1-Fahrer oder Elektriker werden
Der größte Luxus ist… Zufriedenheit und innere Ausgeglichenheit
Stolz bin ich auf… meine Familie und auf mein Heimatland, wir haben sozialen Frieden und es geht uns gut
Mich treibt an… die Neugierde und mein Gerechtigkeitssinn
Was man über mich sagen soll… „Der war ein angenehmer Zeitgenosse.“
Abendessen ginge ich gerne mit… Ban Ki-moon, einem Weltumsegler und dem libyschen Ministerpräsidenten Ali Seidan