„Im 110-kV-Netz kann man sich keine Fehler erlauben“

„Im 110-kV-Netz kann man sich keine Fehler erlauben“

Michael Pühringer, Montagemeister für das 110-kV-Netz über die Gefahren im Hochspannungsnetz, die innere Ruhe und das Wetter.

Dienstag, 8.00 Uhr morgens. Michael Pühringer ist in der Ausseer Gegend unterwegs zu einem schadhaften Erdseil. Ihm wurde ein möglicher Schaden gemeldet und er begutachtet die Anlage vor Ort. Er schätzt die notwendigen Reparaturarbeiten ab und nimmt sie sofort in die Prioritätenliste für seinen Montagetrupp auf.

Michael Pühringer ist Montagemeister der Energie AG Oberösterreich Tech Services GmbH  und arbeitet im Auftrag der Netz Oberösterreich GmbH (ehemals Energie AG Oberösterreich Netz GmbH). Er verantwortet 15 Mitarbeiter, die tagtäglich für das 110-kV-Netz im Einsatz sind und sich um die Leitungen, die Anlagen und die Trassen kümmern.

Seine Laufbahn hat er in der damaligen OKA mit einer Lehre als Starkstrommonteur gestartet. Nach der Lehrzeit sammelte er erste Berufserfahrung als Betriebselektriker im Kraftwerk Ranna. Schnell wechselte er dann nach Gmunden, wo die gesamte Anlagentechnik für die 110-kV-Leitungen sitzt. Seit über 30 Jahren steigt Michael Pühringer auf 110-kV-Maste.

Mein Job als Montagemeister ist es, den Überblick zu haben und das Hochspannungsnetz zu kennen.

“Ich bin verantwortlich, die Arbeiten einzuteilen und dafür zu sorgen, dass die Teams alles haben, was sie für ihre Arbeiten draußen brauchen.“ Ein Drittel seiner Zeit verbringt er dazu im Büro, plant die Arbeitseinsätze, teilt die Teams ein und kümmert sich um Materialausschreibungen und Bestellungen. Das Ersatzteilmanagement spielt dabei eine wichtige Rolle. „Wenn es eine Störung gibt, muss ich alles bereit haben, damit Unterbrechungen im Stromnetz so rasch wie möglich behoben sind.“

Sein Job ist so abwechslungsreich, weil er von der Planung bis hin zur Ausführung der Montage- und Instandsetzungsarbeiten involviert ist. Wenn Not am Mann ist, packt er selbst mit an und kraxelt auf die Masten. Das 110-kV-Netz ist eine besondere Herausforderung.

In dieser Höhe und Spannungsebene kann man sich keine Fehler erlauben.

Die Maste sind zwischen 30 und 40 Meter hoch und Ersatzteile für das 110-kV-Netz sind groß und schwer. „Wir arbeiten sehr exponiert, wenn es geht mit Kränen und teilweise auch mit dem Hubschrauber – je nach Gelände. Wir sind bei allen Arbeiten gut gesichert, trotzdem muss man bei jedem Schritt und jeder Handlung hochkonzentriert sein.“ Mit den Jahren und der Erfahrung kommt auch eine gewisse Routine und Unaufgeregtheit, erzählt er uns. Die Ausnahme sind Unwetter und das verändert sich trotz der vielen Jahre in dem Job nicht. „Der Normalbürger schaut beim Fenster raus und sagt: da kommt ein Sturm. Ich richte mich da schon und warte auf den Anruf, dass wir ausrücken müssen.“

Was macht ihm besondere Freude an der Arbeit, haben wir Michael Pühringer zum Schluss gefragt. „Wir haben ein junges und engagiertes Team in der Montage. Wenn meine Leute mitdenken und ein Projekt aufgeht, das freut mich. Ich kann mir viel selber einteilen, ich mag die Natur und mir macht auch die Höhe nichts. Ich versuche, mir die Arbeit nicht ins Privatleben mitzunehmen. Das gelingt auch ganz gut –  außer wenn das Wetter umschlägt.“

 

 

Michael Pühringer im Word-Rap:

Ein guter Tag beginnt für mich… mit einem guten Frühstück

Genießen kann ich… Freizeit und Ruhe

Meinen Ausgleich finde ich beim… Bergwandern und Motorradfahren

Meine große Stärke ist… Beharrlichkeit, eine gewisse Ruhe und Toleranz

Meine kleine Schwäche ist… Ungeduld

Drei Dinge, die ich auf die einsame Insel mitnehme… meine Familie, Essen und ein Motorboot, damit ich wieder wegkomme

Mein größter Wunsch ist… dass wir alle gesund bleiben