„Wir pflegen die Hauptschlagadern der Stromversorgung“

„Wir pflegen die Hauptschlagadern der Stromversorgung“

Josef Pointl, Gruppenleiter Anlagentechnik für 110-kV-Leitungen über seinen Job, sein Team und die Faszination Hochspannung

Seit 2006 ist der gebürtige Gmundner Josef Pointl Gruppenleiter der Anlagentechnik für 110-kV-Leitungen der Energie AG Oberösterreich. Gemeinsam mit seinem 20-köpfigen Team ist er für die Errichtung, den Betrieb und die Instandhaltung aller Hochspannungsleitungen der Energie AG Oberösterreich zuständig. Pointl führt die Leitungsgruppe, die Ausholzgruppe, 4 Bauaufsichten und das Störungslager. „Wir sind für die Hauptschlagadern der oberösterreichischen Stromversorgung zuständig“, sagt Pointl, den alle Kollegen Joschi nennen. Wie denn ein typischer Tag bei ihm aussieht wollten wir wissen.

„Das einzig typische, das jede Woche gleich ist, ist der Montagvormittag. Da hab ich alle meine Leute herinnen. Wir setzen uns zusammen und planen unsere Arbeit, Infos werden weitergegeben und wichtige Dinge in der Gruppe abgestimmt.“

Dann fliegen alle aus, denn der Großteil der Arbeit seiner Kollegen findet draußen in der freien Natur statt. Josef Pointl ist für alle sicherheitstechnischen Angelegenheiten zuständig, überwacht die Arbeiten seiner Gruppen und packt mit an, wenn Not am Mann ist. „Unser Hauptauftraggeber ist die Energie AG Oberösterreich Netz GmbH. Aber wir machen zum Beispiel auch Bauaufsichten oder Leitungs-Überprüfungen für andere Energieunternehmen,“ erzählt Josef Pointl. „Wir machen unsere Arbeit voller Freude und ganz ehrlich: wir sind stolz darauf, was wir tun. Wenn wir nicht ordentlich arbeiten, hat das gewaltige Auswirkungen auf viele Menschen. Das spornt uns an. Der Job macht auch deshalb Spaß, weil ich Orte und Platzerl in Oberösterreich kenne, an die sonst keiner so schnell kommt.“ Pointl ist in der Energie AG groß geworden und hat eine beachtliche Karriere hingelegt. 1986 hat er als Lehrling angefangen und sich Schritt für Schritt zum Gruppenleiter hochgearbeitet. In seiner verantwortungsvollen Führungsfunktion hat er seit 2006 so ziemlich alle 110-kV-Projekte begleitet, die von der Energie AG umgesetzt wurden. „Wir haben 2.300 110-kV-Maste in Oberösterreich und ich kenne sie fast alle“, erzählt er.

Team Anlagentechnik nach vollendeter Arbeit

Das Team Anlagentechnik nach vollendeter Arbeit bei einem Einsatz der besonderen Art: Aufbau der Energietürme beim Linzer Höhenrausch.3

Seine Mission ist, dass alle diese Anlagen bestens in Schuss sind. „Unsere Anlagen stehen teilweise schon sehr lange. Trotzdem muss alles tip-top sein, denn der kleinste Fehler hat schwerwiegende Folgen.“ Besonders herausfordernd sind Störungen, wie etwa die Schäden, die die Stürme Paula oder Kyrill angerichtet haben. „Ich bin selber im Bereitschaftsrad. Da geht’s immer darum, möglichst schnell möglichst richtig zu entscheiden. Und es zahlt sich aus, wenn man vorausschauend plant. Ich muss alle Ersatzteile und Materialen vorhanden haben, um so schnell wie möglich Störungen beheben zu können, damit der Strom wieder fließt.“ Stolz ist er auf seine Mannschaft.

„Bei den Stürmen zum Bespiel waren alle sofort erreichbar und innerhalb kürzester Zeit einsatzbereit. Das ist ein gutes Gefühl, wenn alles wieder läuft und wir wissen, dass wir gemeinsam einen guten Job gemacht haben.“

Ob er denn selber auch noch auf Masten kraxelt, fragen wir ihn. Die Antwort ist eindeutig: „Ja klar! Wenn ich das von meinen Leuten verlange, dann muss ich Bescheid wissen und auch einschätzen können, was es bedeutet. Ich will das selber spüren, wie die Arbeit wirklich ist oder wie lange gewisse Tätigkeiten dauern. Oft sind die spektakulärsten Dinge gar nicht die wildesten. Alleine das Raufkraxeln ist es, was Kraft kostet und Erfahrung braucht.“

Vor der eigentlichen Arbeit werden noch die Erdungen an den ausgeschalteten Leiterseilen angebracht

Die Arbeit in luftigen Höhen gehört zum Tagesgeschäft.

Aktuell arbeitet Pointl mit seiner Truppe zum Beispiel an der Nachrüstung des Sicherheitsaufstieges der Leitung über den Sonnstein. „Das ist ordentlich anstrengend. Die Maste stehen im Gebirge und wir müssen unser gesamtes Werkzeug und Material dorthin tragen, wo wir arbeiten.“ Gerade abgeschlossen haben sie den Korrosionsschutz für die Maste. Dauerbeschäftigung hingegen ist die Trassenfreihaltung, da gibt es immer etwas zu tun. Auch Intensivinspektionen der Maste stehen laufend auf dem Programm. Die spektakuläre Überfliegung des gesamten 110-kV-Netzes haben sie gerade abgeschlossen.

Wie planen sie ihre Arbeit, haben wir zum Schluss gefragt. Pointl erzählt, dass seine Gruppe jährlich eine Begehung des 110-kV-Netzes macht. Darauf aufbauend erarbeiten die Profis dann alle Instandhaltungsmaßnahmen. Das gehört gut geplant und abgestimmt – schließlich kommt es vor, dass der Strom für Instandhaltungsarbeiten kurz unterbrochen werden muss.

„Keiner arbeitet so nahe an der Hochspannung wie wir”, erklärt Pointl. „Sicherheit ist unser oberstes Gebot. Bei Arbeiten in der direkten Nähe der Leiterseile muss natürlich der Strom abgeschaltet werden, aber es geht immer darum, die Unterbrechung so kurz wie möglich zu halten. Dazu braucht es präzise Planung und dann gute, erfahrene Leute, die präzise arbeiten.“

 

Berufliche Stationen von Josef Pointl

1986 bis 1990 Starkstromlehre, damals noch OKA
1990 bis 1997 Technischer Zeichner für Mittelspannungsleitungen
1990 bis 1995 berufsbegleitend Abend HTL
1995 bis 2006 Statiker für Leitungsbau
2006 bis dato Gruppenleiter Anlagentechnik für 110-kV-Leitungen

Josef Pointl im Word-Rap

Ich wünsche mir… dass mir die Arbeit noch lange so viel Spaß macht
Angst hab ich vor… Energielosigkeit
Stolz bin ich auf… meine Truppe
Freude macht mir… spannendes Arbeiten
Mich ärgert… Voreingenommenheit
Ausgleich bringt mir… Yoga
Ich mag gerne… fröhliche Menschen
Ich mag überhaupt nicht… Pessimisten